CHRISTIAN S. UND DIE K.R.A.K.E. GEGEN DEN MÜLL

In diesem Blogeintrag erfahren wir von Christian S. und wie die K.R.A.K.E. Köln dazu beiträgt ein Statement zusetzen, achtsam mit unserem Müll umzugehen.

Lieber Christian, wir kennen dich schon seit einiger Zeit als Schauspieler in unserer Kartei. Erzähl uns doch kurz etwas von dir.

Ich bin 38 Jahre alt, ausgebildeter Schauspieler, lebe in Köln und habe in den letzten 17 Jahren eine ganze Menge gedreht. Neben Spielfilmen und Serien sieht man mich regelmäßig in Werbespots (ich bin offenbar das meistgebuchte Werbegesicht Deutschlands). Mein Schwerpunkt liegt in der Comedy, wobei ich selbstverständlich auch gern ernste Rollen spiele.

© Daniel Dornhöfer

Du bist der Gründer der Initiative K.R.A.K.E. Köln. Kannst du einmal zusammenfassen, was genau hinter KRAKE steckt und wie es zu dieser Idee gekommen ist?

Bei Dreharbeiten des Films „Losing Touch“, einer Dokumentation über Leprakranke in Nepal, den ich 2014 selbst produziert habe, ist mir nebenbei aufgefallen, wie z.B. in Kathmandu die Menschen mit ihrem Müll umgehen. Es wird einfach alles in den Fluss gekippt und irgendwann kommt der Monsun und spült es weg (in den Indischen Ozean).
Da ich auch Hobbytaucher bin, kenne ich die Unterwasserbilder und weiß, wie es in unseren Meeren aussieht. Ich war schon immer großer Tierfreund und möchte aktiv etwas gegen das Artensterben tun.
Als Schauspieler habe ich eine gewisse Reichweite und auch eine Verantwortung. Der stelle ich mich.

Wann hast du beschlossen die Idee endgültig in die Tat umzusetzen und andere Menschen mit ins KRAKEn-Boot zu ziehen?

Zurück in Deutschland beschloss ich etwas dagegen zu tun, denn es ist auch unser Müll, der nach Asien exportiert wird. Also fing ich an am Rheinufer Müll zu sammeln. Erst allein, 2018 gründete ich dann die FB-Gruppe K.R.A.K.E. (Kölner Rhein-Aufräum-Kommando-Einheit), die mittlerweile ein eingetragener gemeinnütziger Verein geworden ist. 

Wie stellt sich euer Team zusammen?

Ich bin 1. Vorsitzender, Gründer, Organisator und Ansprechpartner für alles. Mein 2. Vorsitzender Jan Odenthal kümmert sich um das, was ich zeitlich nicht hinbekomme und nimmt mir einen dicken Batzen Arbeit ab. Unser Kassenwart Franz Roling komplettiert den Vorstand. Zu dritt bzw. mit einem erweiterten Kreis netter Kraklinge, die beinahe immer dabei sind, organisieren wir mehrmals im Monat große Müllsammelaktionen, an denen regelmäßig zwischen 30 und 150 Leute teilnehmen. 

© Thomas Dahl

Beim Durchstöbern eurer Homepage fällt auf, dass ihr in den Texten vorwurfsfrei mit den Menschen kommuniziert. Nach welcher Philosophie lebt ihr bei KRAKE Köln?

Unsere Philosophie ist „Anpacken statt rumjammern“. Es ist immer leicht sich zu beschweren und anderen die Schuld zu geben. Die Situation ändert sich aber oft nicht, wenn man es nicht selbst in die Hand nimmt.
Meine Waffe war schon immer der Humor und ich versuche jedem auf Augenhöhe zu begegnen, nie von oben herab. Der Erfolg gibt mir recht, denn mittlerweile folgen fast 8000 Menschen meiner Gruppe auf Facebook und Instagram. Außerdem versuche ich unsere Aktionen wie Events aufzuziehen, denn: Müllsammeln ist sexy und macht Spaß!
Ich möchte niemanden bekehren, aber es ist so einfach das Richtige zu tun.

In eurem Blog berichtet ihr über gemeinsame Projekte. Welche der Aktionen lagen dir besonders am Herzen und welche sind dir bis jetzt im Kopf geblieben?

Unvergessen ist der RhineCleanup, den wir nun schon das vierte Jahr in Folge organisieren. Am gesamten Rheinufer von der Schweiz bis nach Holland wird an einem Tag Müll gesammelt und ich bin für die größte Stadt am Fluss verantwortlich. 2020 kamen 700 Leute, die mit der K.R.A.K.E. gesammelt haben, das war ein tolles Bild.
Des Weiteren fallen wir mit außergewöhnlichen Aktionen auf wie z.B. eScooter-Angeln, dem Schmücken des „hässlichsten Weihnachtsbaum Kölns“ mit über 400 gefundenen Corona-Masken oder der „Girlande der Schande“, wo wir den Müll auf Augenhöhe an Wäscheleinen hängen, damit die Leute ihn sehen.
Ich kooperiere aber auch gern mit anderen Cleanup-Gruppen und habe schon mit unseren Freunden in Düsseldorf, Dormagen, Essen oder dem brandenburgischen Rathenow Müll gesammelt.

Die Vereinsgründung des K.R.A.K.E. e.V. 2020 war bestimmt ein großer Meilenstein. Welche Projekte können wir als nächstes von KRAKE erwarten? Was für Ziele setzt ihr euch in Zukunft?

Wir werden dieses Jahr eine Müllfalle im Rhein installieren. Die sieht aus wie ein Bootsanleger, läuft trichterförmig zu und hat einen Fangkorb, der 24/7 auf der Wasseroberfläche schwimmenden Müll einsammeln soll. Die Baugenehmigung der Bezirksregierung haben wir schon und über 40.000 Euro der Kosten sind gesichert.
Sobald das Ding fertig ist, geht es an die Planung des nächsten Großprojekts, ich hab da schon ganz irre Ideen…
Außerdem sind wir auf der Suche nach Räumlichkeiten für eine Krakenzentrale, damit ich die ganzen Handschuhe, Müllsäcke, Greifzangen etc. nicht dauernd in meiner Bude bunkern muss.
Neben dem Müllsammeln halte ich aber auch Vorträge an Kitas, Schulen und Firmen und versuche jeden Tag mehr Menschen für das Thema zu sensibilisieren. 

Wer ist bei euren Aktionen willkommen und darf als Krakling tatkräftig mit anpacken?

Das ist ja das Schöne: jede/r ist willkommen und unser Publikum ist bunt gemischt. Von der Hausfrau bis zum Anzugträger, von der Schülerin bis zum Rentner, es ist ein ziemlich netter Querschnitt durch die Gesellschaft. Alle Alters-, Berufs-, Geschlechts- und Herkunftsgruppen sind dabei und ich freue mich wie Bolle fast wöchentlich neue sympathische Menschen kennenzulernen.
Viele habe ich bereits angefixt, die auch gern allein in ihrer Freizeit Müll sammeln, beim Gassi gehen mit dem Hund oder beim Spaziergang mit dem Kinderwagen.

Ich möchte mit einer letzten und wichtigen Frage das kleine Interview abrunden: Wie können die Menschen eure Idee unterstützen?

Packt sehr gerne mit an, egal wo! Und wer nicht kann oder will, aber uns finanziell unterstützen möchte: auf unserer Webseite geht’s zum Spendenkonto. 😉
Am allerwichtigsten wäre mir aber: Schaltet Euer Hirn ein! Seid kritisch, hinterfragt. Braucht ihr das dreifach in Plastik verpackte Produkt wirklich? Ist es vielleicht besser mal einen Coffee-to-go-Becher weniger pro Tag zu verbrauchen? Was passiert mit meinem Kippenstummel, wenn ich ihn einfach in die Pampa schnippse?
Seid nicht so egoistisch und vor allem: habt Respekt! Wir sind hier nicht allein auf diesem Planeten.